5 Wochen danach ….

Fast täglich meldete sich Kamani bei Andreas in Deutschland, erzählte von den Neuigkeiten vor Ort, von den Neuigkeiten über die Mitarbeiter, vom Stand der Dinge in Vattersgarden aber sie verheimlichte dann doch die Riesenüberraschung, welche uns bei der Reise am 30. Januar dann noch bevorstand. Aber nun der Reihe nach….

Mit viel Spendengeldern ausgestattet ging es dann mit der LTU ab Düsseldorf wieder los, leider dehnte sich die Spannung noch durch das Umsteigen über München und dann nochmal auf den Malediven, ab Februar, so sagte man uns, könne man wieder direkt fliegen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dann in Colombo angekommen, zeigte sich hier wieder, dass sich dort nichts geändert hatte, ein Blick auf die Benzinpreise, alles wie vorher, der Preisanstieg wieder rückgängig gemacht, überall die Shops und Märkte offen, gut bestückt und prallvolle Lastwagen fuhren in Richtung Süden. Nachdem unsere Besuche bei Ganlath, unserem Firmensekretär und bei Abey vom Board of Investment erledigt waren, war dies auch unsere Richtung.

Unsere Route zog sich wie gewohnt an der Küste entlang, nach Colombo dann wieder die Erinnerung an den Tsunami, zerstörte Slumhütten an dem schmalen Streifen zwischen Bahnlinie und Strand, dies erinnerte uns an die Mitteilungen von Kamani über einen Regierungserlass, welcher keinerlei Wiederaufbau bzw. Neubau innerhalb eines Streifens von 100 Metern ab der so genannten Vegetationslinie zulässt, wie wir noch erfuhren, wird dies streng durch die Polizei kontrolliert. Dafür hat man den vertriebenen Menschen versprochen, die Umsiedlung in feste Unterkünfte zu organisieren.

„Look, the train“ rief Ravi, unser Fahrer, als wir in der Nähe von Ambalangoda fuhren und bis hierher darüber staunten, dass die Küstenstrasse bereits ohne Umleitung komplett befahrbar ist.

Hier stand er immer noch, der Zug, welcher für über 1500 Menschen ein Massengrab wurde, durch die zweite Welle, als die Menschen nach der ersten Welle schon dachten, es sei schon vorbei. Ab Ende Februar, so erfuhren wir vom Ceylon Tourist Board, ist die Strecke Colombo – Galle wieder komplett befahrbar.

In Koggala holten wir noch Gamini ab, unser Firmensekretär und Notar Ganlath hatte dazu vermittelt, die Regierung stellt allen Hilfsorganisationen Begleitpersonen als Vermittler und Dolmetscher zur Verfügung, Gamini stellt sich vor, ehemaliger Major der srilankischen Armee und jetzt für die wirtschaftliche Entwicklung der Südregion zuständig, er würde uns bei der Spendenmission auf Schritt und Tritt begleiten und im Nachhinein wissen wir jetzt, dass wir damit ein Riesenglück hatten, sein Rat und Tat unverzichtbar.

Dann tauchten die ersten Flüchtlingscamps auf, wir besichtigten insgesamt zwölf davon und waren sehr verblüfft über die offensichtlich gute Organisation, die dort vorherrschte. Jede Familie ein Zelt, Speiseräume, feste Verteilpunkte und Zeiten, dann kam Kottegoda immer näher.

Vorsichtig fuhr Ravi mit dem PKW auf die Anlage zu, an rechter Seite das Massengrab, 40 Menschen vom Dorf waren darin bestattet worden und noch ein  zweites, Unbenutztes, es war noch nicht wieder eingeebnet.

Dahinter dann die Überraschung, „die Rezeption ist wieder fast fertig“ rief Andreas und als wir parkten, strömten uns schon unsere Mitarbeiter entgegen, voller Erwartung, wie wir wohl diesen Aufbau empfinden würden, „Die Mauer“ rief Andreas wieder, aufgeregt rannte er hin und her, Kamani kam auf mich zu, übers ganze Gesicht strahlend, ich sah mich um, alle strahlten, alle warteten darauf, was wir wohl jetzt denken würden.

Ich drücke Kamani, ich drücke Dayanande, Rahim, Sujid, und all die anderen, noch jemand, immer wieder dazwischen zu den errichteten Mauern schielend, wie in aller Welt haben die das gemacht, fragte ich mich und hatte von nun an keine Chance mehr, Andreas zu sprechen, welcher immer noch wie verrückt an der Mauer entlang lief, zum Waschhaus, ein neues Tor wurde dort eingefügt, zurück zur Rezeption, zum Strand, auch dort war die Mauer fast fertig, aber das geflutete Auto stand noch da.

Im Wrack des Mitsubishis, welchen die Versicherung noch nicht abgeholt hatte, Melanie und Andreas haben ihn eine Woche vor der Katastrophe stolz in Colombo abgeholt, nach vier Jahren endlich einen „Dienstwagen“, befand sich noch die Uhr im Armaturenbrett, Andreas nimmt sein Multitool, baut sie aus, als Erinnerung, stolz zeigte er mir diesen Fund und wir bekamen beide eine Gänsehaut, als ich plötzlich realisierte, warum diese Uhr um 9 Uhr 11 stehen geblieben war…..eine von der Welle kurzgeschlossene Autobatterie !

Die gute Nachricht aus Colombo für alle betroffenen Autobesitzer: Die Regierung hat die Versicherungen angewiesen, alle Flutschäden abzuwickeln.

„Have a look to the rooms“ lockte Kamani und auch hier staunten wir nicht schlecht, hätten Plünderer nicht alle Steckdosen, Schalter, Kleinmöbel, Ventilatoren und Armaturen entfernt, man könnte die Zimmer sofort wieder nutzen, unser Staff hatte alle blitzblank vom Schlamm der Flut gereinigt.

Halbrechts hinter mir lief Dayananda, mich permanent beobachtend, sein Garten in Verbindung mit dem blauen Himmel, hatte er doch auch Trümmer entfernt, das Gras wieder nach der alten Methode gemäht, sein Elektrorasenmäher, sein ganzer Stolz, fiel auch der Flut zum Opfer….auf den ersten Blick scheint alles wie immer zu sein, wäre da nicht der Soldat mit seiner Kalaschnikow, immerhin hatten sich über einhundert der entflohenen Sträflinge aus dem Gefängnis in Matara wieder freiwillig zurückgemeldet, eine sichere Versorgung mit Essen, Trinken und ein Dach über dem Kopf ist eben momentan viel wert.

Essen ist fertig, Wijee und Kamani haben gekocht, zwar ist die Küche von Plünderern blitzblank leergeräumt, aber immerhin ist unser 3-flamm Gasherd geblieben und das Privatgeschirr von unseren Angestellten, sogar mit Besteck, gab uns kurz ein Gefühl als wäre alles wie früher…vor dem Tsunami.

„Wenn es mit Vattersgarden weitergeht, haben wir alle wieder eine gesicherte Zukunft“ vermittelt uns Kamani und erläutert uns die staatliche Soforthilfe. Sie wurde in drei Kategorien unterteilt:

Kategorie A betrifft diejenigen, welche durch die Flut ein legal gebautes Haus verloren haben und finanziert mit 5 Mio. Rupies (ca. 5000 US Dollar) ein neues Haus. Garvin, Mali, Kamal, Vipola und Nancy fallen darunter.

Kategorie B betrifft diejenigen, welche einen festen Arbeitsplatz hatten und finanziert sie 8 Monate lang mit je 5000 Rupies (ca. 50 US Dollar). Alle unsere Mitarbeiter fallen auch darunter.

Kategorie C betrifft alle Flutgeschädigten und sichert ihnen Verpflegungs- und Kleidungsrationen. Dies ist der Grund, warum die meisten betroffenen aus Lunukalapuwa trotz bewohnbarer Häuser doch in dem Camp wohnen.

Wir fragen Gamini, warum gerade diejenigen, welche einen Arbeitsplatz haben, eine monatliche Unterstützung bekommen und er erklärt uns, dass die Menschen mit festem Arbeitsplatz sich ja schon einen gewissen Lebensstandard geschaffen haben und dadurch solle es diesen Ausgleich geben.

Wir denken noch etwas über diese Logik nach und denken an die vielen Tagelöhner oder Selbstständigen, die jetzt nichts bekommen sollen…..

 

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